Kleine seelische Verletzungen – Wie Mikrotraumata uns belasten können

Hast du dich schon einmal gefragt, was mit dir los ist, dass du dich nicht so wohl in deiner Haut fühlst? Vielleicht hast du bemerkt, dass du dich häufig niedergeschlagen, energielos und ohne Freude am Leben fühlst. Oder du bist ständig getrieben, hast das Gefühl, immer aktiv sein zu müssen, und kannst kaum noch abschalten, um durchzuschlafen.

MEHR ALS DIE HÄLFTE DER SCHWEIZER BEVÖLKERUNG ERLEBT MINDESTENS EINMAL IN IHREM LEBEN EINE PSYCHISCHE STÖRUNG, UND JEDER ZEHNTE HAT SCHON VERSUCHT, SICH DAS LEBEN ZU NEHMEN.

Dies zeigt eine Studie des Gesundheitsobservatoriums. Sie warnt zudem, es gebe noch immer viele Vorurteile gegen psychische Krankheiten. Psychische Störungen werden gemäss des Gesundheitsobservatoriums massiv unterschätzt. Sie seien keineswegs harmloser als körperliche Erkrankungen. Jeder zweite Schweizer leide einmal im Leben an einer psychischen Störung und jeder zehnte begehe einen Suizidversuch. Dies zeigt, wie ernst das Thema ist.

Psychische Erkrankungen zeigen sich durch viele verschiedene Symptome. Die häufigsten sind Depressionen, Angststörungen und Probleme mit Drogen oder Alkohol. Auch körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Probleme können psychische Ursachen haben. Leider suchen nur wenige Menschen professionelle Hilfe auf, und noch weniger tun dies rechtzeitig. Das verdeutlicht die Notwendigkeit, besser über die Bedeutung der psychischen Gesundheit aufgeklärt zu werden und Unterstützung zu suchen, wenn sie benötigt wird.

Du bist damit also nicht alleine. In meiner beruflichen Praxis begegne ich vielen Menschen, die mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen. Sie leiden unter starken Gefühlen von Traurigkeit, Angst, Ohnmacht, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit, und befinden sich in schwierigen Lebenssituation. Diese Herausforderungen umfassen depressive Verstimmungen, Angststörungen, unerklärlichen körperlichen Beschwerden, Krankheitsängsten, Suchterkrankungen und vieles mehr.

Viele meiner Klienten empfinden Scham in Bezug auf ihre Situation. Sie fühlen sich, als ob sie selbst für ihre psychischen Schwierigkeiten verantwortlich wären, und zweifeln an sich selbst. Einige glauben, dass es keinen erkennbaren Grund für ihre Probleme gibt, während andere zwar die Ursache ihrer Schwierigkeiten kennen, sich aber dennoch selbst die Schuld geben und sich fragen, warum sie nicht in der Lage sind, sich aus ihrer Krise zu befreien und ihr Leben zu verbessern.

UMGANG MIT SCHAM: EINE DER HERAUSFORDERNDSTEN EMOTIONEN FÜR MENSCHEN

Scham ist eines der schmerzhaftesten Gefühle, die Menschen empfinden können. Es ist tief verwurzelt mit dem Gedanken, dass wir von Grund auf falsch oder fehlerhaft sind. Diese Vorstellung verursacht nicht nur Schmerz, sondern treibt uns auch dazu, uns zu verbergen. Besonders in schwierigen Situationen, wenn unsere mentale Gesundheit darunter leidet, ist es ein verhängnisvoller Impuls. Doch genau in diesen Lebensphasen ist es wichtig zu erkennen, dass es in Ordnung ist, Unterstützung anzunehmen.

DESHALB MÖCHTE ICH DIR SAGEN: Du kannst nichts dafür an deinem Zustand.

Es gibt viele Ursachen für psychische Beschwerden oder Erkrankungen. Einige davon haben genetische Ursachen, während andere durch Erfahrungen in den ersten Lebensjahren erworben werden. Genau diese Erfahrungen, die wir während unserer Entwicklungsjahre machen, können zu Mikrotraumata führen. Werfen wir einen genaueren Blick darauf.

Ein Mikrotrauma umfasst kindliche Erfahrungen andauernder Entwertungen, emotionale Vernachlässigung, Alleinsein, fehlende Geborgenheit, Trennungserfahrungen, u.a.

1. Bindungserfahrungen und Beziehungsmuster

In den ersten Lebensjahren werden durch die Bindungserfahrungen mit den primären Bezugspersonen grundlegende Beziehungsmuster etabliert, die die Basis für zukünftige zwischenmenschliche Beziehungen bilden.

2. Emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen und auszudrücken

Durch die Interaktion mit Bezugspersonen lernen Kinder, ihre eigenen Emotionen zu erkennen, zu regulieren und angemessen auszudrücken, was die Grundlage für gesunde emotionale Entwicklung bildet.

3. Wertvorstellungen, Überzeugungen (Glaubenssätze) und Selbstkonzept

In den frühen Lebensjahren werden grundlegende Wertvorstellungen, Überzeugungen und das Selbstkonzept entwickelt, die das Verhalten und die Entscheidungsfindung im späteren Leben beeinflussen.

4. Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien (Schutzstrategien)

Kinder entwickeln in den ersten Lebensjahren verschiedene Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien, um mit Stress und Herausforderungen umzugehen, die oft als Schutzstrategien dienen, um emotionales Wohlbefinden zu gewährleisten.

5. Grundlegende Überlebensfertigkeiten und Selbstregulationsfertigkeiten (Überlebensmuster – Kämpfen, Flüchten, Starre)

In dieser Phase entwickeln Kinder grundlegende Überlebensfertigkeiten wie Kämpfen, Flüchten oder Erstarren als Reaktion auf potenzielle Bedrohungen oder Stresssituationen, was ihre Fähigkeit zur Selbstregulation beeinflusst.

6. Kulturelle und soziale Normen sowie Weltanschauungen

Die ersten Lebensjahre prägen auch das Verständnis von kulturellen und sozialen Normen sowie individuelle Weltanschauungen, die das Verhalten und die Interaktionen im späteren Leben beeinflussen

WENN DIESE ENTWICKLUNGSPROZESSE IN DEN ERSTEN LEBENSJAHREN GESTÖRT ODER BEEINTRÄCHTIGT SIND, KANN DIES LANGFRISTIGE AUSWIRKUNGEN AUF DIE PSYCHISCHE GESUNDHEIT UND DAS WOHLBEFINDEN HABEN.

Störungen in der Bindung können zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen führen, während eine eingeschränkte emotionale Intelligenz die Fähigkeit beeinträchtigen kann, Emotionen angemessen zu regulieren und mit Stress umzugehen was sich besonders in Krisen in der Partnerschaft ausdrückt. Negative Wertvorstellungen und ein beeinträchtigtes Selbstkonzept können zu einem niedrigen Selbstwertgefühl und einer erhöhten Anfälligkeit für psychische Probleme führen. Dysfunktionale Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien können zu einer erhöhten Anfälligkeit für Stress und psychische Störungen beitragen, während eine eingeschränkte Selbstregulation zu Schwierigkeiten führen kann, mit emotionalen Belastungen umzugehen. Schliesslich können abweichende kulturelle und soziale Normen sowie Weltanschauungen zu Schwierigkeiten bei der Integration in die Gesellschaft und der Anpassung an soziale Erwartungen führen.

EINE ANSAMMLUNG IMMER WIEDERKEHRENDER KLEINER SEELISCHER VERLETZUNGEN KANN LETZTENDLICH ZU EINEM HOCHWIRKSAMEN TRAUMA FÜHREN UND SICH ÄHNLICH WIE EINE POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG AUSWIRKEN.

Es ist wichtig, deine Beziehungen genauer zu betrachten. Wie fühlt es sich an, mit diesen Menschen zusammen zu sein? Hast du das Gefühl, von ihnen respektiert, geachtet, gemocht und wertgeschätzt zu werden? In welchen Beziehungen passt du dich besonders stark an die Erwartungen anderer an, selbst wenn diese unausgesprochen sind? Es kann hilfreich sein, zu überprüfen, ob das, was du denkst, tatsächlich von dir erwartet wird.

Gibt es Personen, bei denen es dir schwerfällt, „Nein“ zu sagen oder deine Meinung zu äussern, insbesondere wenn sie Kritik oder abweichende Meinungen beinhalten? Überlege, warum es dir schwerfällt, dich in solchen Situationen zu äussern, und welche Vorteile es haben könnte, sich zurückzuhalten.

Es ist wichtig zu erkennen, dass nicht jeder uns mögen muss, und es kommt oft vor, dass manche Menschen uns nicht einmal mit Respekt behandeln. Dennoch ist es essentiell, gesunde Grenzen in unseren Beziehungen zu setzen und uns selbst zu respektieren.

Die Menschen, von denen wir besonders gerne Anerkennung und Bestätigung erhalten möchten, beeinflussen unsere Befindlichkeit oft stark, auch wenn wir es nicht direkt merken. Unsere Reaktionen auf ihre Worte und Taten hängen oft davon ab, wie wir sie interpretieren und bewerten, was nicht immer mit ihren tatsächlichen Absichten übereinstimmen muss. Daher ist es wichtig, aufmerksam zu sein.

Zwischenmenschliche Beziehungen spielen eine wichtige Rolle für unser Selbstwertgefühl, können aber auch dazu führen, dass wir uns unsicher oder minderwertig fühlen. Es ist möglich, dass es Personen in unserem Leben gibt, die uns aus verschiedenen Gründen nicht guttun.

Abschliessend ermutige ich dich, achtsam mit deinen zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen und deine psychische Gesundheit zu priorisieren. Kleine seelische Verletzungen können langfristig belastend sein, daher ist es wichtig, frühzeitig Unterstützung zu suchen, wenn du dich überfordert fühlst oder mit bestimmten Situationen kämpfst. Wenn du das Gefühl hast, dass ein Gespräch helfen könnte, zögere nicht, einen Termin für eine Beratungssitzung mit mir zu vereinbaren. Gemeinsam können wir Wege finden, um deine inneren Herausforderungen anzugehen, um deine innere Stärke und Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Deine BEBA

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